Was ist ein akuter Schmerz?

Akuten Schmerz erlebst Du beispielsweise bei überforderter Muskulatur, Verletzungen, infektiösen Erkrankungen oder nach Operationen. Er ist in diesen Fällen eine zeitnahe Begleiterscheinung, um Dich zu warnen, damit Du Dein Verhalten den aktuellen Bedürfnissen anpasst. Wahrscheinlich fallen Dir spontan auch einige Ereignisse ein, wo Du vorübergehend Schmerzen erlebt hast. Bei einem akuten Schmerzgeschehen kannst Du Dich auf sein Alarmsignal verlassen und kannst die Ursache medizinisch abklären lassen. Auf jeden Fall solltest Du gezielt handeln.

Wahrzunehmen, was die akute Schmerzempfindung auslöst, verstärkt oder lindert, hilft Dir bei der Genesung. Wobei Du bereits in Folge 1 erfahren hast, können Stress, Ängste, Ärger usw. die Schmerzentwicklung beeinflussen.

Führt Dein Handeln schließlich zur Heilung, verschwinden akute Schmerzen. Du fühlst Dich wieder wohl und sicher. Akuter Schmerz ist zeitlich begrenzt.

Schmerzen - Empfindungsschwellen

Sensitivierung

Was ist ein chronischer Schmerz?

Bleiben oder kommen und gehen Schmerzen länger als über den zu erwartenden Heilungszeitraum, verliert Schmerz seine Alarm- und Schutzfunktion und wird chronisch. Chronisch heißt langsam entwickelnd, langsam verlaufend und lange dauernd. Rücken-, Kopf-, Tumorschmerzen und Schmerzen aufgrund von rheumatischen Erkrankungen zählen zu den häufigsten chronischen Schmerzformen.

Wie bereits in Folge 1 erwähnt, stimulieren Deine Erfahrungen, Erwartungen, Gefühle, Emotionen, Gedanken sowie äußere und innere Reize Dein autonomes Nervensystem. Bei jedem von uns ist das alles auf ganz eigene Art und Weise miteinander verknüpft.

Verknüpft werden auch stets die Bedrohungen, die durch Krankheit oder Schmerzen immer wieder gemeldet werden. Durch diese Neuroplastizität können sich die beteiligten und benachbarten Nerven besser auf Gefahren einstellen. Dein Wahrnehmungsmuster wird verbessert. Gefahrensignale werden verstärkt und Deine Empfindlichkeitsschwellen gesenkt. Oder anders ausgedrückt: Du empfindest den Schmerz viel früher. Das nennt man Sensitivierung. Selbst leichte Reize werden nun als Gefahr eingestuft. Das genügt, um Schutzreaktionen und Schmerz auszulösen. Geringste Hinweise einer Bedrohung und die ausgelösten Reaktionen, stehen in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Gefahr. Möglicherweise empfindest Du Schmerz sogar ohne eine tatsächlich vorhandene Gefahr. Der ursprüngliche körperliche Schaden ist teilweise gar nicht mehr existent bzw. geheilt. Das ist schon unlogisch, da Du den Schmerz inklusive der Emotionen trotz alledem real wahrnimmst!

Chronischer Schmerz ist real

Schmerz ist unlogisch

Leidest Du unter chronischen Schmerzen, kann es durchaus sein, dass Du nicht weißt, wann die nächste Schmerzattacke kommt, wie lange sie anhält und wie intensiv sie sein wird. Auch hier fehlt die Logik und Kontrolle, die Dein Verstand gerne hätte.

Zusätzlich wird die Empfindlichkeit Deines Notfallsystems durch zu viel Stress herabgesetzt. Stress ist für das Nervensystem ebenfalls eine Gefahr und löst wiederum Schmerz aus oder verstärkt ihn. Ein Teufelskreis.

Wie auch immer, die Symptome und Reaktionen können vielfältig sein und je nach Kombination, die Lebensqualität und den Alltag mal wenig und mal massiv beeinträchtigen. Angst, Wut, Trauer, Unruhe, ineffektive Atmung, Sorgen, schmerzhafte Muskelverspannung, Bewegungseinschränkungen, Müdigkeit, Erschöpfung, Stimmungsschwankungen, Depression, sozialer Rückzug, Einsamkeitsgefühle etc. können auftreten.

Andererseits können sich genauso Mut, Kreativität, Durchsetzungskraft, Toleranz, Einfühlungsvermögen, Zuhören-Können etc. aufgrund des Leidens entfalten.

Körper, Geist und Seele

Körper, Geist und Seele harmonisieren

Die Einzigartigkeit von Schmerzerleben und Schutzreaktionen sind vielfältig und ich könnte noch viel mehr zu diesem Thema schreiben. Mir ging es in den ersten beiden Folgen darum, den neurobiologischen Überblick in einfachen Worten zu vermitteln, um die Zusammenhänge sowie Lernprozesse von Körper und Geist zu verdeutlichen.

Bei diesen Überlegungen dürfen wir uns immer wieder bewusst werden, dass Schmerz nur ein Teil ist. Es geht vielmehr um eine wundervolle einzigartige Person mit all ihren eigenen Wahrnehmungen und Empfindungen. Im Yoga betrachten wir den Menschen ganzheitlich, um Körper, Geist und Seele zu harmonisieren und das Ungleichgewicht zu minimieren. In der Yogatherapie können wir Schritt für Schritt im individuellen Tempo das stärken, was die Balance zwischen Körper, Geist und Seele unterstützt und Schmerzen lindert. Dazu mehr hier in Folge 3.