
Gehirn und Nerven
Gehirn und Nervensystem im Wandel
Das Gehirn und das Nervensystem reagieren empfindlich auf langfristig erhöhte Blutzuckerwerte, eine eingeschränkte Durchblutung sowie chronische, unterschwellige Entzündungen im Körper.
- Hohe Blutzuckerwerte können schädliche Stoffwechselprodukte erzeugen, welche die Nervenzellen direkt angreifen.
- Stille, niedriggradige Entzündungen schwächen zudem die Nervenfunktion.
- Zusätzlich können Schädigungen der Blutgefäße die Versorgung von Gehirn und Nerven beeinträchtigen.
All diese Faktoren können die Funktion der Nervenzellen beeinträchtigen und dazu führen, dass bestimmte Gehirnfunktionen unabhängig von normalen Alterungsprozess nachlassen.
Weniger bekannt, aber ebenso wichtig ist, dass Insulin auch im Gehirn als Signalstoff für Nervenzellen wirkt. Es hilft ihnen, Informationen aufzunehmen, weiterzuleiten und zu verarbeiten. Wenn die Wirkung von Insulin nachlässt, kann dies eine sogenannte Gehirn-Insulinresistenz begünstigen, die langfristig die Funktionsfähigkeit bestimmter Gehirnareale beeinträchtigen kann.
Eine Insulinresistenz im Gehirn könnte ein Teil der frühen Entwicklung von Typ‑2‑Diabetes sein. Das wird derzeit wissenschaftlich untersucht.

Mögliche Folgen:
- Kognitive Veränderungen: Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Gedächtnislücken, verlangsamte Informationsverarbeitung, Schwindel oder Demenz können auftreten.
- Sehprobleme, wenn bspw. die Nervenzellen der Netzhaut (Retina) betroffen sind.
- Periphere diabetische Neuropathie bzw. Polyneuropathie
- Vegative diabetische Neuropathie
Was ist eine Gehirn-Insulinresistenz?
Insulin ist für den Zucker- und Energiehaushalt in Muskeln, Leber und Fettgewebe entscheidend. Zusätzlich wirkt Insulin im Gehirn als Signalstoff für viele Gehirnzellen.
Reagieren die Gehirnzellen nur noch unzureichend auf Insulin, spricht man von einer Gehirn-Insulinresistenz. Die Signalübertragung zwischen Insulin und den Zellen ist dann gestört.
Langfristig kann dies zu Veränderungen im Gehirn führen. Bestimmte Hirnareale, die Hunger und Appetit steuern, die Fettverteilung beeinflussen, kognitive Funktionen unterstützen oder den Stoffwechsel regulieren, können an Funktionsfähigkeit verlieren oder schrumpfen.
Wie zeigt sie sich?
- Gedächtnis und Lernen
- Planen, Entscheiden und Konzentration
- Aufmerksamkeit und Emotionsregulation
- Selbstwahrnehmung
- Belohnungssystem und Appetitsteuerung.
Eine gestörte Insulinwirkung im Gehirn kann darüber hinaus den Stoffwechsel des gesamten Körpers beeinflussen und so die Entwicklung einer Insulinresistenz in Muskeln, Leber und Fettgewebe begünstigen. Dies ist ein wichtiger Faktor bei der Entstehung von Typ-2-Diabetes.
Was ist eine periphere diabetische Neuropathie?
Schädigungen der Nerven im Körper aufgrund von Diabetes werden als periphere diabetische Neuropathie bezeichnet. Peripher steht für Nerven im Körper. Die Folge ist eine eingeschräkte Signalübertragung in den Körper.
Sind mehrere Nerven gleichzeitig betroffen, spricht man von diabetischer Polyneuropathie.
Bei gut kontrolliertem Typ-2-Diabetes verschlechtert sich die Nervenfunktion wohl in erster Linie durch das physiologische Altern unabhängig von der Stoffwechselstörung. Quelle: Strom A et al. Neurology 2025; 104: e2133780; doi: 10.1212/WNL.0000000000213780
Wie zeigt sie sich?
- Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen, Schmerzen, ein Kälte- oder Hitzegefühl, Taubheit sowie eine eingeschränkte Wahrnehmung von Berührung, Temperatur oder Schmerz in den Füßen sind oft erste Warnsignale. In der Regel beginnen diese Symptome an beiden Füßen gleichzeitig und verschlimmern sich in Ruhe. Auch die Unterschenkel können betroffen sein, seltener die Hände und Arme.
- Verminderte Signalübetragung begünstigt auch Muskelschwäche, Verlust von Muskelkraft und manchmal Muskelabbau. Bewegungsabläufe, das Gleichgewicht und die Koordination werden beeinträchtigt. Sturz- und Verletzungsrisiko ist erhöht.
- Eine mögliche Spätfolge ist das diabetische Fußsyndrom (DFS): Kleine Verletzungen bleiben oft unbemerkt, Wunden heilen langsam und das Infektionsrisiko steigt.
Was ist eine vegetative diabetische Neuropathie?
Schädigt Diabetes die Nerven der inneren Organe, wird dies als vegetative oder autonome Neuropathie bezeichnet (DAN). Dabei sind die Nerven betroffen, die für die automatisch gesteuerten Körperfunktionen zuständig sind. Die Erkrankung wird auch als das „Chamäleon” bezeichnet, da sie sich durch eine Vielzahl von Symptomen äußert, die abhängig vom geschädigten Organ unterschiedlich sind. Eine optimale Stoffwechseleinstellung ist von großer Bedeutung, um das Risiko für die DAN langfristig zu reduzieren. Im Folgenden sind einige mögliche Anzeichen aufgelistet.
Wie zeigt sie sich?
- Herz-Kreislauf: schneller Herzschlag, verminderte Herzfrequenzvariabilität, Blutdruckprobleme, Herzrhythmusstörungen,
- Atmung: Schlafapnoe-Syndrom
- Verdauung: ständig Durchfall oder Verstopfung oder abwechselnd Durchfall und Verstopfung, frühzeitiges Völlegefühl nach einer Mahlzeit oder nach dem Aufwachen, nach dem Essen einer kleinen Mahlzeit Übelkeit, Erbrechen oder Blähungen,
- Blase und Sexualfunktion: Entleerungsstörungen, sexuelle Funktionsstörungen
- Schweiß- und Hormonregulation: gestörte Temperatur- und Schweißkontrolle, beispielsweise kältere Füße als der Rest des Körpers, verringertes oder fehlendes Schwitzen trotz körperlicher Anstrengung.


