Illutration Diabetes Distress Figur mit Blitzen

Distress

Die oft übersehene Anstrengung. 

Als Diabetes-Distress wird die Überforderung bezeichnet, die durch die tägliche, oft zeitintensive Auseinandersetzung mit der Erkrankung entsteht und den Alltag maßgeblich beeinflusst. Menschen mit Diabetes leiden überdurchschnittlich häufig unter chronischem Distress. Das ist wenig verwunderlich, denn Diabetes ist die einzige Erkrankung, die rund um die Uhr – 24 Stunden an sieben Tagen die Woche – Beachtung erfordert.

Die dauerhaften Belastungen halten den Körper in einem „Alarmzustand“. Die Stresshormone können die Insulinwirkung abschwächen, den Fettaufbau und die Insulinresistenz fördern und zu stärker schwankenden oder erhöhten Blutzuckerwerten beitragen – selbst bei stoffwechselgesunden Menschen. Dauerhafter Stress kann somit die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes begünstigen, aber auch generell die Blutzuckerkontrolle erschweren.

Illustration Kopf mit Knäuel im Gehirn
  • die ständigen Blutzuckerschwankungen,
  • die Echtzeit-Benachrichtigungen und Alarme bei der Nutzung eines CGMs,
  • die andauernden Entscheidungen über Ernährung, Bewegungseinheiten und die Dosierung von Medikamenten,
  • die fehlende Unterstützung des sozialen Umfelds,
  • das Gefühl der Einschränkungen durch die Erkrankung,
  • die Schuldgefühle, den Diabetes vernachlässigt zu haben,
  • die Angst vor Unterzuckerungen,
  • die Sorge umd die negativen Effekte einer Unterzuckerung sowie
  •  die Angst vor möglichen Begleit- und Folgeerkrankungen.

Welche mentalen Folgen kann Distress haben? 

Gedanken und Gefühle

  • Ständiges Sorgenmachen oder ein „Kopfkino“, das sich kaum abschalten lässt. Das Gefühl im Hamsterrad zu sein, wird dadurch bestärkt.
  • Gefühle von Überforderung, Hilflosigkeit und innerem Druck
  • Selbstzweifel und -vorwürfe, Angst oder Schamgefühle
  • weniger Empathie und Mitgefühl – auch sich selbst gegenüber

Innere Unruhe und Erschöpfung

  • kaum Entspannung, Pausen fühlen sich nicht erholsam an
  • innere Unruhe, Nervosität oder Getriebenheit
  • Konzentrationsprobleme und schnelle Erschöpfung
  • Müdigkeit, auch nach dem Schlafen

Denken, Entscheidung und Verhalten

  • Neues fällt schwerer, Denken und Handeln werden unflexibler
  • Entscheidungsschwäche und sinkende Motivation, auch für körperliche Aktivität
  • Probleme wirken größer und schwerer lösbar
  • Es fällt schwerer, Hilfe anzunehmen oder um Unterstützung zu bitten.
  • Ungesunde Ess-, Trink- oder Suchtgewohnheiten können zunehmen.

Stimmung und Beziehungen

  • stärkere Stimmungsschwankungen,
  • erhöhte Reizbarkeit und geringere Belastbarkeit
  • sozialer Rückzug, weniger Kontakte
  • langfristig depressive Verstimmungen oder Depression möglich

Welche körperlichen Folgen kann Distress haben? 

Bewegungsapparat

  • Muskel- und Spannungsschmerzen können sich in Form von Kopf-, Nacken-, Rücken- oder Kieferschmerzen äußern.
  • Abnahme der Muskelkraft, der Körperwahrnehmung und des Gleichgewichts sind möglich: Muskeln können schneller ermüden und abbauen. Die Körperkontrolle und Bewegungskoordination können beeinträchtigt werden und das Gleichgewicht kann gestört werden. Dadurch werden alltägliche Bewegungen anstrengender oder unsicherer.
  • Langfristig kann der Muskelabbau die Zuckeraufnahme der Muskulatur reduzieren, den Blutzuckerspiegel hoch halten und die Insulinwirkung verschlechtern. Die Krux dabei ist: Ein dauerhaft hoher Blutzuckerspiegel beschleunigt den Muskelabbau, wodurch ein Teufelskreis zwischen Stress, Zucker und Muskeln entsteht.

Inneren Organe

  • Magen-Darm-Beschwerden: Verdauungsprobleme, Sodbrennen, Völlegefühl, Durchfall oder Verstopfung sind mögliche Folgen.
  • Herz-Kreislauf- und Atemstörungen: Herzfrequenz und Blutdruck steigen und die Atmung wird schneller. Dadurch erhöht sich das Risiko für Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt oder Schlaganfall.
  • Die Leber setzt rasch und bei chronischem Stress dauerhaft mehr Zucker frei. Die Blutzuckerwerte  steigen an bzw. bleiben hoch.

Weiteres

  • Schlafstörungen und Hautprobleme: Einschlaf- oder Durchschlafstörungen sowie Hautreaktionen können zunehmen.
  • Das Immunsystem wird geschwächt, sodass es zu häufigeren Infekten kommen kann.
  • Hunger- und Sättigungsgefühl: Das Hungerhormon Ghrelin wird verstärkt gebildet, während das Sättigungshormon Leptin abnimmt, wodurch Heißhunger und Überessen begünstigt werden.
  • Die Stresshormone schwächen die Insulinwirkung, erhöhen Blutzucker, fördern Fettaufbau und Insulinresistenz.

Diabetes-Folgen für weitere einzelne Organe und die Psyche

Illustration Herz + Rhythmus

Herz

Illustration Nieren

Nieren

Illustration eines Auges

Augen

Illustration Fuss

Füße

Illustration Mensch in Bewegung - Thema: Diabetes-Bewegungsapparat

Bewegungsapparat

Illustration Lunge

Lunge

Illustration Kopf mit Wolke und Regentropfen

Depression