Illustration Mensch in Bewegung - Thema: Diabetes-Bewegungsapparat

Folgen für den Bewegungsapparat

Bewegungsapparat unter Zuckerstress 

Die Belastungen für den Bewegungsapparat bei Diabetes entstehen in der Regel wieder durch das Trio: Veränderungen der Blutgefäße, Nervenschäden (Neuropathien) sowie andauernde Entzündungen im Körper.

Vor allem die veränderte Durchblutung spielt eine zentrale Rolle: Muskeln, Sehnen und Gelenke werden schlechter mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, Regenerationsprozesse verlangsamen sich und das Gewebe verliert an Elastizität.

Zusätzlich können Bewegungsmangel und Stresshormone die Belastung für Knochen, Gelenke und Muskeln verstärken.

Zudem kann das Schmerzempfinden selbst bei geringerer Belastung verstärkt sein. Betroffene nehmen Gelenk- und Muskelschmerzen stärker wahr und das schränkt ihre Bewegungen oft zusätzlich ein.

Schmerz Kniegelenk - Bewegungsapparat Diabetes
  • Knochen: Stabilität und Festigkeit können vermindert sein, das Frakturrisiko ist erhöht.
  • Gelenke: Knorpel- und Bindegewebe sind stärker belastet, die Beweglichkeit nimmt ab, Schmerzen treten häufiger auf.
  • Muskeln: Muskelabbau und Kraftverlust, erhöhtes Sturz- und Verletzungsrisiko.

Warum werden Knochen belastet? 

Bei vielen Menschen mit Diabetes mellitus ist die Qualität der Knochen beeinträchtigt. Die Aktivität der knochenbildenden Zellen (Osteoblasten) kann vermindert sein und damit zu einer Störung des Knochenstoffwechsels führen.

Stresshormone wie Cortisol sowie bestimmte Medikamente, können den Knochenaufbau zusätzlich hemmen. Weitere Risikofaktoren sind Untergewicht und Bewegungsmangel, da mechanische Belastung mit entscheidend für den Knochenaufbau ist.

Beim Typ-1-Diabetes findet man häufiger eine verminderte Knochendichte.

Beim Typ-2-Diabetes ist die Knochendichte oft normal oder sogar erhöht. Allerdings ist die Knochenmikroarchitektur beeinträchtigt, was zu einer schlechten Knochenqualität und einem erhöhten Frakturrisiko führt.

Die Kombination aus Diabetes und Osteoporose wird übrigens als Diabetoporose bezeichnet. Das Risiko für Knochenbrüche steigt mit der Krankheitsdauer und und einer schlechten Blutzuckereinstellung.

Warum werden Muskeln belastet? 

Muskeln sind entscheidend für Bewegung und Alltagskraft. Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte, Bewegungsmangel und Stress können sie schwächen:

  • Nervenschäden stören die Muskelsteuerung.
  • Stoffwechselveränderungen und Fetteinlagerungen mindern die Kraft.
  • Muskelverlust führt zu weniger Kraft, schnellerer Ermüdung und eingeschränkter Mobilität.

Typische Alltagssignale hierfür sind: Treppensteigen fällt schwerer, Schraubgläser lassen sich nur schwer öffnen, die Gehgeschwindigkeit nimmt ab, die Hände ermüden schneller und die Sturzgefahr steigt.

Der Verlust von Muskelmasse wird als Sarkopenie bezeichnet. Dabei handelt es sich um den fortschreitenden Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit. Sarkopenie tritt nicht nur im Alter, sondern auch bei chronischen Erkrankungen wie Prädiabetes und Typ-2-Diabetes auf.

Sarkopenie kann den Krankheitsverlauf von Typ-2-Diabetes beschleunigen: Weniger Muskeln bedeuten schlechtere Blutzuckerwerte und eine höhere Insulinresistenz. Gleichzeitig erhöht Muskelverlust das Risiko, dass Prädiabetes zu Typ-2-Diabetes wird.

Ein Teufelskreis entsteht. Wenn Muskeln schwächer werden, nehmen Stabilität und Schutz für Knochen und Gelenke ab. Die Belastung der Gelenke steigt, während gleichzeitig die knöcherne Stabilität abnimmt. Dadurch erhöht sich auch das Risiko für Stürze und Verletzungen.

Doch Muskeln leisten weit mehr als nur Bewegung und Kraft. Sie produzieren sogenannte Myokine. Das sind  Botenstoffe, die auf verschiedene Organe wirken. Diese unterstützen unter anderem den Zuckerstoffwechsel, stärken Herz und Knochen, regulieren das Immunsystem und wirken entzündungshemmend.

Als größtes Stoffwechselorgan des Körpers übernehmen Muskeln damit eine zentrale Rolle für die Gesundheit. Sie stabilisieren nicht nur den Bewegungsapparat, sondern beeinflussen auch Blutzucker, Immunsystem und Entzündungsprozesse.

Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Kraft- bzw. Widerstandstraining, ist daher eine der wirksamsten Strategien zur Vorbeugung und Behandlung von Sarkopenie.

Warum werden Gelenke belastet? 

Hohe Blutzuckerwerte können das Knorpelgewebe schädigen, da sie entzündliche Prozesse auslösen, welche die Knorpelzellen beeinträchtigen. Dadurch steigt das Risiko für Arthrose und Gelenkschmerzen.

Auch Nervenschädigungen (diabetische Neuropathien) spielen hierbei eine Rolle. Sie können das Bewegungsgefühl und das Schmerzempfinden vermindern, sodass Fehlbelastungen der Gelenke weniger wahrgenommen werden. Diese unbemerkten Fehlbelastungen schädigen die Gelenkstrukturen weiter und begünstigen Verschleiß sowie anhaltende Schmerzen.

Weitere Risikofaktoren sind Übergewicht und fehlende Muskelkraft: Die Gelenke, insbesondere in Hüfte und Knien, müssen zusätzliches Körpergewicht tragen. Gleichzeitig können schwach ausgeprägte Muskeln die Gelenke schlechter stabilisieren und Belastungen nicht ausreichend abfangen. Beides erhöht die mechanische Belastung der Gelenkflächen, was den Gelenkverschleiß beschleunigt und Schmerzen begünstigt.

Zusammen tragen diese Aspekte dazu bei, dass Menschen mit Diabetes häufiger künstliche Knie- und Hüftgelenke benötigen.

Zusätzlich wird das Bindegewebe – beispielsweise Sehnen, Gelenkkapseln und Bänder – durch langfristig erhöhte Blutzuckerwerte verändert. Dies kann zu Steifheit, Verdickungen und einer eingeschränkten Beweglichkeit der Gelenke führen. Fachleute bezeichnen diesen Zustand als „Limited Joint Mobility“.

Typische Beispiele hierfür sind eine eingeschränkte Beweglichkeit der Finger (diabetische Cheiroarthropathie), schmerzhafte Schnappfinger (Triggerfinger) sowie Verdickungen der Handinnenfläche (Dupuytren-Kontraktur). Auch größere Gelenke sind betroffen. Menschen mit Diabetes haben ein erhöhtes Risiko für Schulterprobleme wie die sogenannte Frozen Shoulder.

Diabetes-Folgen für weitere einzelne Organe und die Psyche

Illustration Herz + Rhythmus

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Illutration Diabetes Distress Figur mit Blitzen

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Depression